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HWWI-Tagung: Familienunternehmen als Arbeitgeber der Zukunft?

23.05.2014 | HWWI Update | von Henrik Harms

Familienunternehmen werden im öffentlichen Diskurs überwiegend mit positiven Attributen besetzt. Ihnen werden eine langfristige Orientierung statt kurzfristigem Gewinnstreben und eine Fokussierung auf den generationenübergreifenden Erhalt des Unternehmens zugesprochen. Allerdings wird ihnen auch eine geringe Dynamik sowie eine Verhaftung an ihren bisherigen Geschäftsmodellen zugeschreiben und sie werden als hoch emotionale Einheiten gesehen, die Rationalität häufig zugunsten ihres Bauchgefühls „opfern“.

Sind Familienunternehmen daher als Arbeitgeber weniger attraktiv als nicht-familiengeführte Betriebe und welche ihrer Charakteristika sollten Familienunternehmen nutzen, um ihr Image als loyaler, vertrauenswürdiger Arbeitgeber in der öffentlichen Berichterstattung hervorzuheben? Diese und weitere Fragen wurden am 9. Mai 2014 im HWWI im Rahmen einer Fachtagung unter dem Titel „Familienunternehmen als Arbeitgeber der Zukunft? – Chancen und Risiken in der Personalakquise und -sicherung“, die durch die Körber-Stiftung gefördert wurde, diskutiert. Ziel war es, Vorzüge sowie Nachteile von Familienunternehmen als Arbeitgeber zu analysieren und letztlich Handlungsempfehlungen für Wissenschaft und Praxis zu identifizieren.

Bereits im Impulsvortrag von Henrik Harms (HWWI) über die zentralen personalpolitischen Herausforderungen von Familienunternehmen wurde deutlich, dass die zukünftig zu erwartenden Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu einem Umdenken in der Personalakquise und -sicherung führen müssen, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können. Im ersten Fachvortrag verdeutlichte Dr. Christina Boll (HWWI) angesichts der Entwicklung des demografischen Wandels in Deutschland und Hamburg die Notwendigkeit, Fachkräftereserven zu aktivieren. Sie bezifferte die Potenziale verschiedener Personengruppen, wie Mütter und Akademiker und erläuterte Maßnahmen, um diese zu heben. Deutschland hat, das machte der Vortrag deutlich, zahlreiche Stellhebel zur Hand, um auf die Alterung der Bevölkerung und die gestiegenen Qualifikationsanforderungen am Arbeitsmarkt zu reagieren.

Um die Diskussion auf den spezifischen Fall von Familienunternehmen zu lenken, sprach Prof. Dr. Peter Klein (HSBA Hamburg School of Business Administration) in seinem Vortrag über die Zukunftsfähigkeit der Personalpolitik von Familienunternehmen. Dabei stellte er dar, welche zentralen Kernkompetenzen von Familienunternehmen hervorgehoben werden könnten, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Eine vertiefende Darstellung möglicher Kampagnen zum erfolgreichen Employer-Branding lieferte der anschließende Fachvortrag von Christoph Kahlert (Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen). Er zeigte auf, dass bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über die tatsächliche Wahrnehmung von Familienunternehmen als Arbeitgeber vorliegen. Vielmehr werde Familienunternehmen lediglich zugesprochen, dass ihre Attribute, wie Stabilität, Nachhaltigkeit oder traditionelles Denken, positive Wirkungen für deren Personalmanagement entfalten würden. Ein empirischer Beweis liege jedoch nicht vor.

Anschließend konnte Dr. Detlef Keese (Institut für Mittelstandsforschung, Universität Mannheim) in seinem Fachvortrag über die Vorzüge von familiengeführten Betrieben in der Personalgewinnung und -bindung anhand einer Studie für die Region Rhein-Neckar aufzeigen, dass zwischen der Eigen- und Fremdeinschätzung der Attraktivität von Familienunternehmen als Arbeitgeber teilweise Differenzen vorliegen. Allerdings hätten Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus Familienunternehmen ergeben, dass zahlreiche empfohlene Maßnahmen des Personalmarketing bewusst von den Unternehmen ignoriert würden, da diese nicht ihren individuellen Anforderungen an ihre derzeitigen und zukünftigen Beschäftigten entsprächen.

Weitere Vorträge beleuchteten das Thema aus zusätzlichen Perspektiven: Während Professor Dr. Marcel Hülsbeck (Wittener Institut für Familienunternehmen, Universität Witten/Herdecke) zunächst ökonomische Aspekte mit psychologischen Faktoren in der Personalpolitik von Familienunternehmen in Verbindung brachte, schilderte der Regionalleiter Personal der DB Regio AG für Norddeutschland, Michael Eisenhauer, seine personalpolitischen Erfahrungen aus Konzernsicht.

In den Fachvorträgen und der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Familienunternehmen und nicht-familiengeführte Betriebe zeitnah Maßnahmen entwickeln müssen, um den wachsenden personalpolitischen Herausforderungen zu begegnen und im Wettbewerb um qualifiziertes Personal zu bestehen. Dabei sollten neben allgemeingültigen Aspekten die unternehmensindividuellen Anforderungen im Vordergrund stehen, wobei spezifische Charakteristika, die auf eine Vielzahl von Familienunternehmen zutreffen, Aussagen über erfolgreiche Personalstrategien in dieser Unternehmensgruppe zulassen.

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