Branchen und Wirtschaftszweige, Konjunktur

Wachstumsmarkt Medizintechnik

26.04.2013 | HWWI Update | von Henning Vöpel

Die globale Nachfrage nach Gesundheit wird in den nächsten Jahren weiter steigen, infolge der eher moderat wachsenden Weltwirtschaft jedoch leicht gedämpft. Im Bereich der öffentlich finanzierten langlebigen Medizintechnik dürfte sich ein stärkerer Investitionszyklus herausbilden. Insbesondere Investitionen in neuere Produkte könnten vermehrt in die Zukunft verschoben werden. Dies sind die Ergebnisse einer HWWI-Studie im Auftrag der HSH Nordbank.

Die mittel- bis langfristigen Perspektiven für die Medizintechnik bleiben unverändert gut. Steigende Weltbevölkerung und der deutliche Anstieg der Pro-Kopf-Einkommen in den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die demografische Alterung in vielen Industrieländern sorgen für eine zunehmende Gesundheitsnachfrage. Von der Angebotsseite sorgen Basisinnovationen im Bereich von Bio-, Gen- und Nanotechnologie für Wachstumsimpulse, indem sie Möglichkeiten für Produktinnovationen und Produktdifferenzierung bereitstellen.

Die deutsche Medizintechnik kann von diesen Entwicklungen profitieren. Traditionelle Märkte bieten ebenso wie neue Exportmärkte günstige Absatzchancen. Die Nachfrage in den USA und den westeuropäischen Ländern richtet sich dabei zunehmend auf medizintechnische Innovationen mit höherer Qualität und größerer Produktvielfalt aus. Die bevölkerungsreichen und schnell wachsenden Entwicklungs- und Schwellenländer sind als Absatzmarkt noch nicht vollständig erschlossen. Gerade im Bereich niedriger Pro-Kopf-Einkommen reagiert die Gesundheitsnachfrage sehr elastisch auf Einkommensänderungen. In diesen Ländern wächst der Gesundheitsmarkt vor allem durch die Mengenausweitung. Bei insgesamt sehr dynamisch wachsendem Absatz wird daher der Anteil der Schwellenländer an den deutschen Medizintechnikexporten zunehmen.




Nach Prognose des HWWI ergibt sich bis 2015 eine leicht gedämpfte Nachfrage nach Medizintechnik (siehe Abbildung). Ab 2016 entwickelt sich die Nachfrage wieder dynamischer. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es nach dem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft und der Konsolidierung öffentlicher Haushalte in einigen wichtigen Absatzländern zu Nachholeffekten und einem ausgeprägten Investitionszyklus kommen wird. Dies betrifft vor allem jene Länder, in denen die Gesundheitsausgaben überwiegend öffentlich finanziert sind. Der Anteil des Auslandsumsatzes wird für die deutsche Medizintechnik aufgrund des dynamischeren Wachstums bis 2020 weiter auf rund 73 % ansteigen.

Auch wenn der Prognose zufolge die Nachfrage sich bis 2015 etwas weniger dynamisch entwickelt und insbesondere Produktinnovationen weniger nachgefragt werden, bietet diese Phase durchaus Chancen, mittelfristig Marktanteile zu gewinnen. Die langfristig stabilen Trends werden unverändert positiv sein.

Die Medizintechnik ist für Deutschland eine wichtige Branche: sie ist mittelständisch geprägt, innovativ und exportorientiert. Sie schafft entlang der Wertschöpfungskette einen Technologietransfer von der Grundlagenforschung im Bereich der Biotechnologie und Genforschung bis hin zur marktreifen Produktentwicklung. Investitionen in Forschung und Entwicklung sind notwendig, um die technologische Führerschaft zu behaupten. Dies setzt jedoch entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten voraus. Die überwiegend mittelständisch geprägte Medizintechnik in Deutschland hat zwar zurzeit im Vergleich zu konkurrierenden Standorten günstige Finanzierungsbedingungen, insbesondere „Basel III“ könnte jedoch gerade für die kleineren und mittleren Unternehmen den Zugang zu langfristiger Finanzierung erschweren. Es zeigt sich, dass die Anschlussfinanzierung für viele junge, kleine und innovative Unternehmen eine besonders kritische Phase darstellt („valley of death“). Entsprechend sind die wichtigsten Standortfaktoren für die Medizintechnik ein ausreichendes Angebot an hochqualifizierten Forschern und Fachkräften, der Zugang zu Risikokapital sowie die Existenz eines „Leitmarktes“ für medizintechnische Innovationen.


Partnerpublikation

Vöpel, H. (2013): Globale Absatzmärkte der deutschen Medizintechnik - Prognose 2020, Studie im Auftrag der HSH Nordbank AG (Hrsg.), Hamburg.

Autoren

Prof. Dr. Henning Vöpel