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11.03.2026 | pressemitteilung 24

Neue HWWI-Konjunkturprognose

Irankrieg verzögert Erholung der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hatte sich zum Ende vergangenen Jahres hin stabilisiert; viele Konjunkturindikatoren entwickelten sich positiv. Die Wachstumschancen für 2026 und 2027 wurden aufgrund der von der Koalitionsregierung auf den Weg gebrachten fiskalpolitischen Ausgabenprogramme und Fördermaßnahmen günstig eingeschätzt. Mit dem Irankrieg und den dadurch ausgelösten Preisschocks bei Öl und Gas haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – jedoch zunächst verschlechtert. Die weitere Entwicklung im Irankonflikt ist unklar – hier wird davon ausgegangen, dass sich das Kriegsgeschehen bis spätestens Jahresmitte allenfalls auf das Gebiet des Iran beschränkt und die Straße von Hormus wieder frei passierbar ist. Öl- und Gaspreise würden sich dann wieder in Richtung des Vorkriegsniveaus bewegen. Die für 2026/2027 angelegte Erholung der deutschen Wirtschaft könnte dann in der zweiten Hälfte dieses Jahres neu „Fahrt aufnehmen“. Unter diesen Bedingungen erwartet das HWWI für 2026 ein jahresdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von ¾ % (vor Kriegsausbruch: 1 ½ %) und für 2027 eins von 1 ½ %.

Die Inflationsrate für die Verbraucherpreise in Deutschland bewegte sich in letzter Zeit um die Stabilitätsmarke von 2 %. Dies war nicht zuletzt günstigen Energiepreisen zu verdanken. Hier hat sich die Lage nun drastisch gedreht. Davon wird in den kommenden Monaten ein deutlicher Inflationsschub ausgehen; bis Mitte dieses Jahres könnte die Inflationsrate auf 3 % steigen. Bei der hier unterstellten Entwicklung würde die Inflationsrate sich bis Ende dieses Jahres wieder in Richtung 2 % bewegen. Im Jahresdurchschnitt 2026 würde sie dann 2 ½ % betragen, 2027 könnte sie wieder 2 % erreichen.

Die geopolitischen und geoökonomischen Rahmenbedingungen bergen erhebliche Risiken für diese Prognose. Die weitere Entwicklung im US-Iran-Konflikt ist unklar. Bei Eskalation, wie größeren Zerstörungen von Öl- und Gasanlagen auch in den anderen Golfstaaten oder längerer Blockierung der Straße von Hormus, müssten die Inflationsprognose nach oben und die Wachstumsprognose nach unten angepasst werden. Umso wichtiger ist, dass die Koalitionsregierung die Strukturreformen weiter vorantreibt und die Sonderverschuldungsmöglichkeiten ausschließlich für zusätzliche Investitionen verwendet werden; eine Umschichtung von Ausgaben aus dem eigentlichen Kernhaushalt würde die möglichen Wachstumsimpulse mindern.

 

Pressekontakt

Hamburgische WeltWirtschaftsinstitut

Dr. Anja Behrendt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin & Leitung Öffentlichkeitsarbeit

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Hamburgische WeltWirtschaftsinstitut

Prof. Dr. Michael Berlemann